Letztes Jahr erreichte mich ein Anruf von einer jungen Frau. Man merkte, dass Ihr der Anruf sehr unangenehm war. Weshalb Sie so aufgeregt war, wurde mir erst wesentlich später klar. Sie druckste nur zögerlich herum, ob wir auch Flecken entfernen könnten. Nachdem ich Sie aufgeklärt hatte, dass es zu unserem täglichen Geschäft gehört Flecken aus Fahrzeugen zu entfernen, kam Sie langsam mit der Sprache raus, allerdings noch immer sehr zögerlich. Auf meine Nachfrage hin was denn passiert sei, sagte Sie nur: “Ich habe einen Fleck auf dem Sitz, der muss dringend raus.” Als ich Sie fragte, was dies für ein Fleck sei, antwortete Sie: “Das ist ein roter Fleck.” Darauf hin wollte ich natürlich Wissen ob es sich dabei um einen Rotweinfleck, einen Ketchupfleck oder was auch immer handelte. (Es hätte ja sein können, dass Sie etwas im Fahrzeug gegessen oder getrunken hätte und so der Fleck auf den Sitz gekommen wäre.) Aber nein, das war es nicht… Das was Sie auf dem Beifahrersitz hatte war Blut. Sie beichtete mir am Telefon, dass Sie gemeinsam mit Ihrem neuen Freund in dem Auto der Eltern unterwegs war, die zu diesem Zeitpunkt im Urlaub waren. Die Lust hatte die beiden überkommen und Sie hatten einen intimeren Kontakt während Sie eben Ihre Tage hatte. (Jedem das seine, aber das muss einem erst mal passieren und dann noch im Auto der Eltern.)
Schließlich vereinbarten wir einen Termin noch für den gleichen Tag, da die Eltern bereits einen Tag später aus dem Urlaub kamen und natürlich davon nichts mitbekommen durften. Als die junge Dame dann hier angekommen war, konnte man Ihr ansehen, wie stark Sie sich dafür schämte. Ich sagte nur: “Das kann ja schon mal passieren.”
Bereits nach wenigen Minuten war der rote Fleck aus dem Beifahrersitz entfernt. (Professionelle Fahrzeugaufbereiter wissen eben ganz genau, mit welchen Mitteln sie einen Fleck behandeln müssen um diesen zu entfernen.) Die junge Frau bedankte sich tausendfach und konnte nun ganz entspannt und beruhigt die Heimreise antreten.
Zu schön, da hab ich doch mal gut geschmunzelt, und ihr habt der Dame bestimmt eine Menge lästiger Fragen erspart. Ich glaube, mein Schätzchen könnte dies Jahr auch mal zum Aufbereiter, wenn der Mist-Winter mal vorbei ist.